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Der Golem - גולם 
Symbol des Vilstheaters, Amberg 2006.

 

Der Golem, welcher selbstverständlich - durch die Wogen des Flusses gleichsam watend - sich wider anströmende Fluten stellt, die gegen seine entschlossenen Schritte schäumten und peitschten, die als bloßer Brei und Herdengewimmel uniform und einfarbig, gleichgeschaltet, gedankenleer gewaltig den Sturz eines aufrecht Widerstehenden herbeiwünschen, herbeitreiben, eines ehrlich und beharrlich für sein Gewissen inwendig und innig, fester gewisser Überzeugung erstehend, doch bebender Waden bisweilen und edlen echten Sinnes entkräfteten Gebeines oftmals, in gedankenloser Brandung strudelt,  wachte als skulpturales Wahrzeichen des Vilstheaters während der Woche der Aufführungen im Mai 2006 über das Schauspiel und seine Zuschauer, als der Schwachheit menschlichen Wesens und Waltens, zerbrechlichen Gutes humaner Weisheit Mahnung, anstoßend an gedankenlose Ignoranz und opportunistisches Getriebe, welches eine allgemeiner Schwerkraft träge Materie der Maximierung moralischer Entropie zutreibt.

 

Der Golem stellt sich gegen den Strom der Zeit und deren alles überschüttenden und allverschlingenden Zeitgeist, ob Sinn jener mit sich bringt und Gutes, oder Zerstreuung und Blödheit, und gegen verdichtet Zusammenballung, die, wenn ihr Haufen groß ist, alles niederwalzt und dabei "gravitätisch" frißt und saugend wächst, durch Eigenschwere bedingt, und fett in Heillosigkeit sich stürzt, bis daß eine kritische Masse die Menge selbst zersprengt, welche millionenfach Einzigartigkeit und Menschlichkeit den Menschen entreißt, deren Denken aussaugt, deren Fühlen abtötet, deren Eigenart verhöhnt.

Deshalb muss der Golem mächtig und stark sein, damit schwachen Gegewind und blätterndes Säuseln er schützt und Menschen pflegt und ermutigt, selbst zu denken, damit sie nicht gedacht werden, selbst zu reden und nicht sich bereden zu lassen, selbst zu tun und nicht getan werden, selbst zu tragen und sich nicht tragen zu lassen, selbst zu gehen uns sich nicht gehen zu lassen, hingegeben einer wohligen, gefälschten Bequemlichkeit und stumpfer Annehmlichkeit fröhnend. Das war auch der Grundgedanke bei der Erschaffung des Ur-Golem des Rabbi Löw in Prag.