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Monument Via Carolina, aufgestellt bei Stockerholz, an der Bundesautobahn A6 zwischen Nürnberg und Prag, 2008.

 

Hintergrund: Am 10. September 2008 wurde durch Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel das letzte bis dahin noch fehlende Teilstück der Bundesautobahn A 6 zwischen Nürnberg und der tschechischen Grenze, die als dálnice D 5 weiter bis Prag führt, für den Verkehr freigegeben.

Europastraße 50: Diese Straßenachse überbrückt nicht nur die annähernd 300 km weite Strecke zwischen den Städten Nürnberg und Prag, sie reicht vielmehr über diese in beide Richtungen weit hinaus und durchmisst als Europastraße E 50 vom Atlantik bis zum Kaspischen Meer unseren Kontinent auf einer Länge von etwa 4000 km.

Von seinem westlichsten Rand bis in dessen östlichste Säume durchzieht sie ihn von Brest über Paris, Reims, Verdun, Saarbrücken, Nürnberg, Amberg, Rozvadov, Pilsen, Prag, Uschhorod, Donezk, Rostov am Don bis Machatschkala im russischen Dagestan, windet sich durch die überreiche Vielfalt europäischer Kultur, europäischen Lebens, strebt aus europäischer Geschichte von Freundschaft, von Unverständnis und Zwist und bodenlosen Grausamkeiten, von gemeinsamer Freude und Glück durch gegenwärtigen Aufbruch nach Frieden und Zusammenklang in ersehnter Harmonie bunter Mannigfaltigkeit.


Via Carolina: Zwischen Nürnberg und Prag wurde diese Straße, deren neue Trasse auf dem Teilstück zwischen Amberg und Wernberg zuletzt fertig gestellt wurde, erneut "Via Carolina" genannt, in Erinnerung an Kaiser Karl IV. (1316 bis 1378). Dieser bedeutende spätmittelalterliche Herrscher hatte in der Oberpfalz zahlreiche Besitzungen erworben, »Neuböhmen« genannt, und ließ eine Straße von Prag über die Oberpfalz nach Nürnberg bauen, die zu einem wichtigen Handelswege werden sollte.

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Idee zur Skulptur: - Wege verwinden, entwinden sich - 

Obwohl selbst statisch, bewegen Wege, lassen Dynamisches geschehen, ermöglichen dieses, sind, fest und reglos selbst, doch Förderer der Änderung, des Wandelbaren und Wandelnden und Wandels. Menschen - als animalia socialia - leben mit Menschen, wollen sich mitteilen und zu Menschen finden. Diese Kommunikation verpflichtet Menschen miteinander, führt Fremdes zu Fremdem, das zu Bekanntem, zu Zusammengehörigem werden will.


Wege zum Denken und Handeln

Straßen transportieren nicht alleine Menschen und deren Güter, die sie hervorbringen aus dem, was sie umgibt, befördern nicht Material nur, sondern Gedanken, Ideen, Gefühle, die nach Verbundenheit streben, Vernetzung, Verknüpfung brauchen, Gemeinschaft suchen, Austausch verlangen; sie verflechten miteinander Entzweites und Unbekanntes, führen Fremdes zu Fremdem, das zu Bekanntem, zu Zusammengehörigem wird, als ein Neues hervorwächst aus kommunizierendem Denken, sprechendem hörendem Sinnen, das - verschieden das Eine dem Anderen, gegenseitig bedingend und ergänzend, erfüllend, zuvor unerkannt und unbeachtet Eines dem Anderen war - materiell, wie geistig, einander bestimmend, Menschen verbindet, die neu und neu sich berühren.

Menschen suchen einander, tauschen sich aus, finden zueinander, entzweien sich, bewegen sich, einander zu treffen, zu berühren, tauschen und teilen geistige Bilder und Gebilde (und damit und daraus erstehend auch handgreifliche, gegenständliche Dinge, bearbeitet durch Geistes Willen von Hand und Händen geformt), vermehren, bereichern dadurch Lebens Schaffen, eigenes Tun und anderes.


Wege verbinden Menschen, die ja nach Menschen suchen

Nie ist es dauerhaft gelungen (»irgendwann fällt jede Mauer«), Menschen von Menschen gewaltsam und zwangvoll zu separieren, Gemeinschaft zu zertreten, zu zerreißen, gewaltsam und grob.

Töricht sind Menschen, die Menschen von Menschen trennen. Deshalb wollen Menschen despotische Trennung und knechtenden Zwang verlassen und vernichten, auf dass sie ungebunden und ungehindert Menschen begegnen. Wege werden zu Wegen der Begegnung von Lebenswegen, die sich verwinden, umschlingen, die aufeinander treffen, und Lebenswege kreuzen sich auf Straßen, die unbewegt bewegen...

 


Skulptur als Symbol: Deshalb hatte Harald Bäumler die Idee zur Vollendung des Baues dieses weiten und weit reichenden, die Menschen wieder zueinanderführenden Weges zwischen Nürnberg und Prag (welche beide Städte seit 1990 durch eine Partnerschaft verbunden sind), eine Skulptur zu errichten, die ihren Platz ungefähr auf halber Strecke jenes zuletzt gebauten Stückes der Straße (Bundesautobahn A 6) zwischen Amberg und Wernberg bei Trisching (zugänglich beim Parkplatz Stockerholz) gefunden hat, welche die Unteilbarkeit und Gegenseitige Bedingtheit von Ost und West, zumal zwischen Prag und Nürnberg, als Zeichen für die Zusammengehörigkeit des gesamten Kontinentes versinnbildlichen soll.